Täglich

Gott straft kleine Sünden nicht sofort. Aber steter Tropfen höhlt den Stein. Körper und Geist entwickeln sich über unsere gesamte Lebensspanne. Kleine Mühen und Erleichterungen die wir in unser tägliches Leben integrieren offenbaren Kosten und Nutzen zum Teil erst ein halbes Leben später.

Wer mit dem Rauchen beginnt, denkt erstmal nicht daran, dass es ihn wahrscheinlich mehr als 10 Lebensjahre kosten wird, wenn er nicht aufhört. Und dass es Nerven, Zeit und Geld kostet zu rauchen und davon wieder los zu kommen. Auf Dauer wird der Stoffwechsel und das Immunsystem schlechter. Es wird anstrengender, etwas für den Körper zu tun, wie Sport oder Yoga. Um sich etwas Entspannung, Frieden und Glück zwischendurch zu verschaffen, werden eher Abkürzungen genommen mit Alkohol, Rausch, Essen.

Rost setzt nicht von heute auf morgen an. Vom Rauchen bemerken wir keine unmittelbaren Folgen. Und so ist es auch mit vielen guten Dingen, die wir für uns tun können: Ernährung, Dehnübungen, Bewegung, Entpannungs- oder Atemübungen, Schreiben oder Meditation. Wie man beim Rauchen nur die kurze Befriedigung der Zigarette spürt, bemerkt man bei dem, was man für sich tun kann, nur den kurzen Aufwand.

Aber wie es beim Rauchen nach 20 Jahren immer schwieriger wird, aufzuhören, obwohl chronischer Husten beginnt und einem ein konstanter Aschenbechergeruch anhaftet, verschaffen uns andere Angewohnheiten ein angenehmes Körpergefühl, ein Leben, über das wir eine angenehme Übersicht habe und einen inneren Frieden, den wir gern täglich auf Neue vertiefen.

Dialoge

In der Kommunikation sollten wir keinen Unterschied machen, zwischen uns selbst und den anderen. Kommuikationstechniken sind Gewohnheiten. So wie wir konstant zu uns selbst sprechen, reden wir auch mit anderen. Und wie wir mit anderen reden, ähnelt auch unserem inneren Dialog.

Drücken wir uns klar und verständlich aus? Wird verstanden, was wir sagen? Sagen wir etwas anderes, als wir meinen? Schimpfen wir oder loben wir? Möchten wir überzeugen, oder befehlen? Muss ein konstantes Für und Wider, Bestätigen oder Widersprechen da sein, oder können wir auch still sein? Hören wir zu, oder beten wir ständig unsere Glaubenssätze herunter?

Respekt gegen andere ist ein guter Ausgangspunkt. Und dieser Andere sind wir häufig selbst. 

Bedürfnisse

Wenn Grübeln und Zweifeln abschaltet sind, bezeichnen wir das oft leichtfertig als Glück. Aber zu häufig passiert es, dass Spaß mit Glück verwechselt wird. Im Vergleich ist Spaß oft nichts anderes, als ein Schmerzmittel. Wir zahlen einen hohen Preis, um den Schmerz nicht zu spüren und vergessen dabei, nach der Ursache des Unwohlseins zu schauen.

Wer nach Glück sucht, muss seine wahren Bedürfnisse erforschen und erfüllen.

Distanz

Wir müssen bedenken, dass sich ein erfülltes Leben aus vielen Komponenten zusammen setzt. Wer täglich läuft, tut etwas für die Gesundheit. Und hoffentlich auch etwas für geistigen Ausgleich. Aber das Laufen kann auch ein Ausgleich sein, für Schuldgefühle und schlechtes Gewissen. Es kann sich auch um ein Weglaufen handeln.

Selbstbetrug kann gut getarnt sein, als Arbeit, Sport, Spaß und Freiheit.

Trojaner

Der Verstand will irgendwelchen Kram. Geld, Ansehen, Macht, Potenz. Auch wenn unserem Intellekt klar ist, dass Gemeinschaft, Spiritualität und Genügsamkeit der wahre Weg zu einem erfüllten Leben sind, hat man ein leichteres Spiel, wenn der Verstand an Bord ist.

Der Verstand spielt mit Nehmen und Geben. Wenn wir ihm sagen, wenn du freundlich bist und dich in Genügsamkeit übst, dann mache ich dich reich und schön, beginnt er sich dafür zu interessieren, was man zu sagen hat.

Boxenstopp

Wer erstmal keine Lust hat auf Output, braucht vielleicht noch mehr Input. Und wer viel schafft, braucht Wartung, Regeneration und regelmäßige Boxenstopps. Wer meint, er könnte immer auf der Überholspur bleiben, braucht sich nicht wundern, wenn ihm auf freier Strecke der Treibstoff ausgeht.

Und vielleicht brauchen unsere alltäglichen Tätigkeiten deutlich mehr Energie, als wir bemerken. Wenn uns auffällt, dass wir uns oft gestresst fühlen, unruhig oder unzufrieden, kann mehr gezielte Ruhe helfen.

Deckung

Von einer Wortattacke tragen wir Verletzungen davon. Es lohnt sich nicht, viel an der Wunde herumzufummeln. Sie muss heilen. Was wir machen können, ist uns fürs den nächsten Angriff besser vorzubereiten.

Beim Boxen sind die K.O.-Schläge meist unerwartete Treffer. Aber im Kampf können wir die Deckung oben halten. Wir wollen aber nicht immer die Deckung oben halten, sondern offen sein.

Wenn wir wissen, wer wir sind, haben wir einen festeren Stand. Eine Wortattacke, die absurd ist, wird uns weniger verletzen, als etwas, dass irgendwie war sein könnte. Wenn wir unser Gegenüber als offiziell verrückt anerkennen, haben dessen Worte kaum Gewicht.

Um ansonsten nichts Unerwartetes einzufangen, ist es gut, sich mit Menschen zu umgeben, denen man vertraut. Und wenn wir nicht wissen, was in unserem E-Mail-Postfach landet, können wir das Postfach nur zu einer Zeit checken, die es uns erlaubt, die Deckung oben zu haben.

Trash

Was heute gut ist, ist morgen Trash. Das sehen wir in der Mode und in den Ernährungsgewohnheiten. Das sehen wir in der Medizin, im Völkerrecht und in der Digitalisierung. Die Mühlen malen schnell. Und mit der Wahrheit, dem Recht und Unrecht, dem Richtig und Falsch scheint es nicht weit her zu sein. Wahrscheinlich schauen Kinder verächtlich auf unsere ausgefeilten Erziehungsmethoden zurück und können sich nur wundern, was ihnen angetan wurde.

Aber was passiert ist richtig fürs Jetzt. Und das neue Richtig wird davon bestimmt, welcher Wandel sich durchsetzt. Wir sollten nicht zu überzeugt von unserem Richtig sein. Nicht zu entsetzt von dem Richtig der Anderen. Menschen kommen aus verschiedenen Zeiten und von verschiedenen Orten. Und aus Sicht der Anderen trifft das auch auf uns zu.

Weiter

Wo viel Müll ist, fällt noch etwas mehr Müll nicht auf. Wo es rein ist und übersichtlich, sticht jede Kleinigkeit ins Auge. Ein Schönheitskönig ist wahrscheinlich auch als Schönheitskönig viel mit seiner Schönheit beschäftigt und feilt an jeder Kleinigkeit. Eine buddhistische Meisterin meditiert nicht weniger, als eine Anfängerin.

Wir tendieren dazu, uns weiter in das zu vertiefen, was schon da ist. Wir verfolgen unseren Weg. Und wir sind immer auf einem Weg. Man kann dem folgen, das man will. Was soll mehr werden, was weniger?

Rest

Was von der Vergangenheit übrig bleibt, ist die Gegenwart. Wenn die Gegenwart auf Kosten der Zukunft geht, ist es dies, was in der Zukunft für uns übrig bleibt. Was wollen wir für unser zukünftiges Ich tun? Was wollen wir ihm zumuten? Was wird es uns danken? Was macht sein Leben schwerer, was macht das Leben unseres zukünftigen Ichs leichter?

Die Rechnung kommt. Wir können bestimmen, ob wir Schuldner sind, oder Empfänger.

Gram

Man kann Gedanken haben und man kann denken. Man kann seinen Gedanken von seinen Trieben steuern lassen, auf den Zug aufspringen. Aber man kann sich auch überlegen, was für Denken sinnvoll ist. Langsam überlegen und überprüfen, was das ist, was für eine Wirklichkeit die Gedanken einem gerade präsentieren. Kommen sie aus dem Reptilienhirn? Aus Furcht, Gram, Sorge und Fatalismus?

Oder sind sie fördernd, lösungsorientiert und tragen sie bei zu Glück und Heilung?

Pfeiler

In der ein oder anderen Weise streben wir immer danach, uns gut zu fühlen. Dafür können wir in drei Bereiche investieren. Ins Soziale oder ins Materielle. Oder ins Körper/Geist-Ich. Wer immer wieder in das eine gleiche investiert, trifft meist die Entscheidung, ins kurzfristige und instabile Glück zu investieren.

Die drei Grundpfeiler sollten gemeinsam und langfristig wachsen. So wird ein starkes Fundament für Freude, Erfüllung und inneren Frieden geschaffen.

Blau

Wenn wir einen dummen Kommentar bekommen, brauchen wir nicht schlagfertig sein. Besser wir überhören Unterton und Anspielung, bleiben locker, friedlich und froh.

Kurze Dummheiten passieren uns allen täglich. Wenn nicht verbal im Dialog, doch wenigstens gedanklich. Wenn wir ihnen keine tiefere Bedeutung beimessen, verpuffen sie wie eine leichte Wolke im Blau des Himmels.

Teile

Die ganze Zeit ist etwas los. Mal sitzt die Frisur nicht richtig, mal ist ein Knopf der Jacke ab. Mal haben wir Hunger, mal schmerzt der Rücken. Mal machen wir zu selten Sport, mal wissen wir abends nicht, was wir machen sollen. Ein Freund kommt zu spät, ein anderer meldet sich gar nicht. Auch ein glückliches Leben ist gefüllt mit Einzelheiten. Einige würde man sich anderes wünschen, andere nicht.

Und so ist es mit allem. Wir müssen reframen. Wir müssen Herausforderungen und Lösungen sehen. Wir müssen wachsen. Wir müssen Dinge nicht als Teile unseres Lebens betrachten, sondern uns als Teil des Lebens.

Überforderung

In vielen Situationen belastet uns das Spezielle mehr, als es uns dient. Unserem Verstand tut Ruhe häufig besser, als Auswahl und Begeisterung. Das Einfache oder das Reduzierte, ist oft die angemessene Lösung. Wir können würdigen, was wir bekommen und sind dankbar. So können wir uns auf das konzentrieren, was uns gerade wirklich wichtig ist.

Es ist gut, das Weniger häufiger in Betracht zu ziehen, als das Mehr.

 

Jenseits

Wollen wir arm oder reich sein, innovativ oder klassisch. Wollen wir sein, wie wir wirklich sind, oder wie wir gerne sein würden?

Wollen wir hier und da reinschauen, oder Wege weiter und weiter gehen und erleben, wie sie sich entwickeln, wenn wir immer tiefer gehen? Wann ist ein Weg zu Ende gegangen? Ab wann führt er ins Nichts?

Wo lebt man sein Leben richtig? In der Natur, am Quell von Schönheit und Wahrhaftigkeit? In der Stadt, zwischen Ehrgeiz, Kreativität und Aufgeschlossenheit? Wir haben nur ein Leben. Jede Altersstufe durchleben wir nur ein einziges Mal. Wie das Wasser fließt unser Leben. Es gibt keinen Stillstand.

Vielleicht gibt es keine echte und wahre Persönlichkeit. Vielleicht müssen wir uns treiben lassen und die Fahrt genießen. Wahrheit ist jenseits der Person. Im Jetzt sind wir reines Bewusstsein.

Vergehen

Fast alles vergeht – ohne Wenn und Aber. Paradoxer Weise bleibt das, wovor wir flüchten möchten. Es folgt uns, als würden wir nicht davon laufen, sondern hinterher. Es verfolgt uns, wie eine Wespe, die wir durch Hin- und Herwedeln mit der Hand vertreiben möchten.

Gefühle vergehen, wenn wir sie nicht betäuben. Widrige Umstände vergehen, wenn wir uns nicht verrückt machen. Schwierige Aufgaben vergehen, wenn wir ihnen entgegentreten.

Klang

Klang kann man nicht festhalten. Wer genau hinhört, kann es nur genau Jetzt tun. Klang kennt keinen Stillstand. Jeder Klang ist in Entwicklung. Genaues Hinhören ist immer frisch. 

Das genaue Hinhören ist ein Weg in den Moment und damit ein Weg hinaus aus Sorgen, Gründen, Verarbeitung und Planung. Wer dem Verklingen einer Klangschale zuhört, folgt einem Weg in die Stille.

Routine

Wir müssen uns nicht in die enge Kiste der genauen Regeln quetschen. Wer die Regeln kennt, kann sie brechen. Wir können Dinge so tun, wie sie uns angenehm sind. Wir müssen nicht immer an einem genauen Tag für eine genaue Zeit in einem bestimmten Tempo joggen gehen, nur um unser Ideal zu erfüllen. Auch zur Meditation brauchen wir nicht auf präziseste Weise und auf den Punkt 30 Minuten sitzen.

Wir können ab und zu fühlen, was wir wirklich wollen, wie wir uns wohl fühlen. Wir müssen nicht um 6 Uhr aufstehen, um unsere Morgenroutine perfekt zu erfüllen. Wir können aufwachen, wenn wir aufwachen und gucken, was wir morgens eigentlich tun wollen. Vielleicht brauchen wir nur minimale Veränderungen, um Dinge so umzugestalten, dass wir uns wohl fühlen, anstatt gestresst.

Es ist allerdings sinnvoll, sich diesem gewissen Stress eine Zeitlang auszusetzen, um eine Tätigkeit zur Gewohnheit oder Routine werden zu lassen.

Beweise

Die Hoffnung auf Mystik, einen tieferen Sinn unter der Oberfläche, eine letzte Wahrheit, ist unsere Hoffnung auf einen Sinn jenseits vom Jetzt. Wer auf die Suche geht, gelangt an 1000 Orte, die an weitere 1000 Orte führen. Und mehr Sinn, als Worte beschreiben können, kann keine Erklärung bieten.

Wer eine Antwort möchte, sucht besser danach, keine Antwort zu wollen. Besser man sucht vor den Worten. Besser man sucht an der Quelle.

Etwas

Irgendetwas hören wir immer. Die Nadel auf der Schallplatte. Die Bahn unter der Erde. Das Fiepen in unserem Gehörgang.

Und auf diese Weise können wir immer finden, was wir suchen. Einen Funken Glück oder Sumpf und Unrecht. Wir sollten weder das eine hysterisch erzwingen, noch das andere krampfhaft meiden. Aber das Leben ist endlich und die Vorräte am Beklagenswerten und an Freude sind unendlich. Wir sollten uns überlegen, wann es sich lohnt, unseren Blick auf das Eine oder das Andere zu richten.

Relativität

Wir mögen Pflanzen, Musik, Informationen, Gespräche, Ruhe und das, womit wir diese Dinge bekommen oder verbessern können. Geld ist ein Universalding. Aber Geld tatsächlich zu einem lukrativen Zweck zu nutzen, ist eine Sache für sich. Wer eine 25-Stunden-Woche arbeitet, braucht sich Ruhe nicht teuer erkaufen. Wer nur 5 Stunden Schlaf bekommt, dem wird sein teures Bett nicht viel nützen. Und wer gestresst ist, für den ist das beste Essen geschmacklos.

Im Materiellen entsteht der Wert von Haben und Nichthaben aus dem Vergleich. Der Wert von Zeit ist weniger relativ.

Nichtanfangen

In der Konversation ist das Zuhören der erste Schritt zum Verstehen. Im Verstehen von uns selbst, ist die Aufmerksamkeit der erste Schritt. Wenn wir eine Herausforderung angehen, driften wir gelegentlich unbewusst zu süchtigem oder gewohntem Verhalten.

Doch wenn wir in den schöpferischen Bereich vordringen möchten, in den Bereich, wo die Konzepte aufhören, dann kommt eine unsichtbare Hürde ins Spiel, die kaum zu benennen ist. Wir können sie Widerstand nennen. Dieser Widerstand ist die gläserne Glocke, unter der der Prokrastinast zu sitzen meint. Dieser Widerstand ist das wortlose Nichtanfangen. Er ist der große Antagonist vom Kreieren und Meditieren.

Und der größte Gegner vom Widerstand ist die Erkenntnis, dass er da ist. Wer aufmerksam ist, und ihn als das erkennt, was er ist, kann ihn leicht und schweigend passieren.

Ebnung

In jedem Atemzug liegt ein Reichtum an Nuancen. Jeder Atemzug ist interessant. Tief, flach, lang, kurz, kraftvoll, schwerelos, zischend, schnaufend oder still. Ein Atemzug fördert Gefühlswallungen, oder schafft Befreiung. Der ganze Körper ist involviert. Lunge, Blut, Muskulatur, Sehen, Hormone und wer weiß, was alles noch. Die Haltung des ganzen Körpers kann vom Atem gesteuert werden.

Es lohnt sich, sich vor der Meditation diese Brisanz klar zu machen. Das schafft eine Begeisterung, die uns den Weg in die Stille ebnet.

 

 

Schmerzmittel

Wenn wir körperliche Schmerzen haben, kann Schmerzmittel helfen. Dabei müssen wir aufpassen, dass mancher Schmerz ein Warnsignal ist. Wir müssen Verletzungen pflegen und Ursachen, die Schmerz auslösen, erkennen und heilen.

Schmerzmittel wie Alkohol und andere Drogen werden häufig bei geistigem Unwohlsein angewandt. Und von vielen Menschen regelmäßig präventiv. Aber Drogen sind weder Präventivmedizin noch eine gesunde geistige Wundpflege. Wer täglich etwas einnimmt oder 2-3 Mal pro Woche sehr viel, sollte diese Gewohnheit überprüfen. Nüchtern ins Bett zu gehen sollte die Regel sein und nicht die Ausnahme. Es gibt genügend Alternativen zu Rausch und Beduselung.

Luxus

Was haben wir von einem teuren Kunstwerk, das uns nicht gefällt. Was haben wir von einem exklusiven Werkzeug, das wir nicht benutzen.

Bei luxuriösen Dingen geht es um deren Würdigung. Wer viel hat, muss meist mehr bezahlen, um etwas würdigen zu können. Und selbst das ist keine Garantie. Ein einfaches Essen ist deutlich besser, wenn wir hungrig sind, als ein ganz besonderes, wenn wir voll sind.

Es ist okay, schöne Dinge haben zu wollen. Aber wenn wir in unserer heutigen Welt Leiden, weil wir etwas nicht haben, dürfen wir unser Leiden hinterfragen, um uns dann gegebenenfalls selbst zu optimieren.

 

Orte

Ob wir übers Meer schauen, oder gegen eine Hauswand, ist nicht so wichtig, wie das, was wir an dem Ort tun, von dem aus wir schauen. Das Wo ist nicht so wichtig, wie das Was und das Wie. Die Umgebung sind Farben und Geräusche.

Ob bei der Arbeit, zu Hause auf dem Sofa, in einem Restaurant in Indien, oder in der Bretagne in Frankreich – wir sind mit unserem Verstand immer mit unseren Gedanken. Unsere Umgebung hat sehr kurzfristig und sehr langfristig einen Einfluss auf unsere Gedanken. Doch unser Verstand, die Quelle unseres Fokus, filtert, was wir sehen und hören. 

Unsere Sichtweise ist grundlegender, als unsere Aussicht.

Entgegnungen

Die Sorge ist eine Furcht vor dem negativen Ausgang eines Ereignisses in der Zukunft. Wir können der Sorge Vertrauen entgegensetzen. Vertrauen, dass sich die Dinge früher oder später immer wieder zum Guten wenden werden. Vertrauen, dass viele der Momente, die unser wahres Glück bedeuten, immer da sein werden. Vertrauen, dass die Zukunft gut wird. Vertrauen, dass das Jetzt gut ist.

Mauern

Wer einen Durchbruch will, muss etwas einzureißen haben. Es gibt Mauern, die alt sind und bröckeln und irgendwann in sich zusammenfallen. Wahrscheinlicher kommt man aber durch die Mauer, wenn man aktiv daran arbeitet.

Und es kann gut sein, dass man man nicht durch die Mauer schauen kann, bis der letzte entscheidende Schlag getan ist.

Verwandlung

Wir füttern uns mit Worten. Aus Büchern, Filmen, Zeitungen, Gesprächen und Musik. Worte für Meinungen, Geschichten, Informationen. Für Musik, Gerüche und Geschmäcker machen wir Worte, um sie zu beschreiben. 

Mit Worten können wir uns das Essen verderben und magische Momente vernichten. Denn Worte sind nicht für das Jetzt. Sie sind für die Reflektion, zum Erinnern, zum Erzählen, zum Notieren.

Dabei vergessen wir leicht, dass es eine Wahrheit vor dem Wort gibt, vor der Beschreibung, vor der Anerkennung, vor dem was wir durch Worte aus ihr machen.

Wind

Wir können immer noch etwas mehr tun, noch mehr wissen, etwas mehr lernen, länger meditieren. Im Guten, wie im Schlechten. Es gibt auch immer noch welche, die noch schlimmer sind, noch skrupelloser, noch mehr Unheil anrichten.

Tugenden und Untugenden sind eine Sache für sich und sie geben uns Werte, Richtung und Erfüllung. Aber es gibt auch ein jenseits davon, das nicht zu unterschätzen ist. Wir können uns treiben lassen, ohne Wert und Ziel. Manchmal könne wir sein, wie ein Blatt im Wind.

Wichtigkeiten

Ist es wichtiger, Ziele zu haben und zu verfolgen, oder ist es wichtiger, im Moment zu leben?

Es kann klingen, als wären Ziele eine Sache der Zukunft und würden dem Leben im Moment widersprechen. Aber im Moment zu leben, oder möglichst viel im Hier und Jetzt zu sein, ist auch ein Ziel.

Wir haben automatisch viele Ziele: körperliche, geistige und materielle. Ziele für die nächsten Momente und Langzeitziele. Wo ein Gedankenstrom fließt ist Zeit und wo Zeit ist, sind auch Ziele. Die Frage ist, wer sie kontrolliert.

Begründungen

Wahrheiten, die ewig erklärt werden müssen, sind wenigstens verdächtig. Mit vielen Worten kann man alles ins Recht zerren. Verschwörungstheorien, Zahlenmystik und chronische Sorgen leben davon. Aber es sind auch diese Denkkonstrukte, die uns in unseren Gedankenkarussellen weiter und weiter im Kreis oder ins Nirgendwo führen.

Und tatsächlich ist es das berühmte Loslassen, das uns wenigstens kurzzeitig aus diesem Karussell aussteigen lässt. Wiederholtes und bald gewohntes Loslassen holt Menschen aus diesen Gedankenkonstrukten heraus, die sich mit endlosen Worten, Vermutungen, Begründungen und Beweisen am Leben halten möchten.

Aussenwelt

Die Welt da draußen ist groß. Sie hat auf uns mehr Einflüsse zu bieten, als wir annehmen oder abwehren können. Auf alles, was potentiell bei uns ankommen kann, können wir reagieren und uns beeinflussen lassen.

Oder wir können in uns gehen. Auf das reagieren, was uns unmittelbar betrifft und worauf wir Einfluss haben. Hier können wir uns entscheiden, wie wir reagieren möchten. So haben wir die Kontrolle an einem Ausgangspunkt, von dem aus wir wirklich Einfluss nehmen können.

Ersatz

Sportliche Aktivität ist ein wertvoller Baustein im Alltag. Nicht nur für den Körper, sondern auch für den Geist. Dass Sport kein Allheilmittel ist, sieht man leicht, wenn man auf Profi-Sportler oder Freizeitsportfanatiker schaut. Ein guter Baustein reicht nicht, um etwas Gutes aufzubauen.

Selbsthypnose ist eine sehr gute Möglichkeit, um Werte und Visionen zu etablieren und zu festigen. Sie ist ein fast einzigartiges Mittel, das Friede und Glück schnell erfahrbar macht.

Meditation übt den Verstand im Hier und Jetzt zu sein und still zu werden. Sie deckt den dauernden Drang des Verstandes auf, beständig umherzuschweifen zwischen Deutungen der Vergangenheit und Prognosen und Handlungsentwürfen für die Zukunft.

Sport, Selbsthypnose und Meditation sind verschiedene Tätigkeiten. Alle drei sind wunderbare Tätigkeiten. Und keine ersetzt die andere.

Illusionen

Das Jetzt ist eine andere Dimension. Weil Denken in Zeit passiert, ist es nie das, was wir Denken. Denn ein Gedankengang ist ein zeitlicher Prozess. Daher sind das Gewesene und das Kommende Illusionen des Geistes.

In jedem Moment nehmen wir nur einen sehr begrenzten Teil von dem wahr, was um uns herum ist. Dadurch, das wir diesen Ausschnitt wahrnehmen und benennen, deuten wir ihn. Mit der Zeit ändert sich die Deutung und damit unsere Wahrheit. Dich die eine wahre Wahrheit ist unveränderlich.

Im Za-Zen wird das, was meist als Meditieren bezeichnet wird, Sitzen genannt. Denn was man tut, ist zu Sitzen und die Aufmerksamkeit immer wieder zurückzulenken auf den Atem, oder auf das, was vor den Worten ist. Mehr muss nicht getan werden. Was entsteht, ist Meditation.

Unsichtbares

Wie viel von dem was ist, ist in unserem Wahrnehmungshorizont? Wenn wir ein neues Wort lernen, hören wir es plötzlich immer wieder. Wenn wir uns für etwas interessieren, beginnen wir es überall zu sehen. Was unsichtbar war, wird sichtbar. Wir wecken unseren Blick.

Was sehen wir alles nicht, was hören wir nicht? Was spüren wir nicht? Es ist weit mehr um uns herum, wenn wir aufmersam werden und uns öffnen: mehr Möglichkeiten, mehr Informationen, mehr wertvolle Reize und Freuden für die Sinne.

Bogenschießen

Ob im Bogenschießen, dem Zubereiten von Tee, oder dem Schälen und Essen einer Mandarine: wir können jede Einzelheit in unserem Leben zur Perfektion bringen und darin Erfüllung finden. Und wer eine Tätigkeit mit voller Hingabe tun kann, kann dieses Prinzip auch auf andere Handlungen anwenden.

Und auf diesem Weg zeigt sich, dass der berühmte Satz Der Weg ist das Ziel. zum besten Ziel führt.

Verarbeitung

Gefühle bestimmen unser Leben. Alles, was wir tun, tun wir, um in irgendeiner Weise ein gutes Gefühl zu haben. Zwietracht zu spüren, ist eine Belastung. Eine Auseinandersetzung aus der Vergangenheit oder in der Zukunft zu spüren, gibt der Vergangenheit oder Zukunft ein Gewicht, das wir in der Gegenwart tragen.

Wie kann man diese Last leichter machen? Muss man stärker werden, oder kann man dieses virtuelle Gewicht aus der anderen Zeit reduzieren?

Wenn man sagt, man solle im Hier und Jetzt sein, dann heißt das nicht, man solle sich durch Ablenkungen in dieses Hier und Jetzt hineinzwingen. Sich in Situationen zu begeben, die extremer sind, als Gedanken und Gefühle, die einem von diesem Hier und Jetzt fernzuhalten scheinen.

Für den wahren Weg ins Hier und Jetzt brauchen wir Ausdauer. Unsere unerbetene Vorstellungswelt dehnt sich aus, oder sie schrumpft. Um ihr langsam aber sicher die Luft auszulassen, können wir Zufriedenheit und Stille suchen. Meditation und Bewegung sind eine Hilfe, um nicht mehr aufwühlenden Input zu bekommen, als wir verarbeiten können.

 

Verschiebung

Unser Körper, Geist und soziales Umfeld begleiten uns unser Leben lang. Und es sind diese wichtigen Dinge, die wir oft zu leicht nehmen, weil sie uns konstant verfügbar erscheinen. Zeit für Sport, Meditation, Familie und alte Freunde wird leichtfertig ersatzlos verschoben. Wir denken, sie kosten nichts, dabei investieren wir zum Schluss unseren Verdienst in genau diese Dinge.

Es sind diese Termin, die wir besser schützen müssen, als unsere wichtigsten Meetings. Termine für Sport, Familie, Freunde und Geist dürfen wir nicht ausfallen lassen, höchstens verschieben.

Bestätigung

Wir machen uns Hypothesen in Form von Vorannahmen und Vorurteilen zu nutze. Das Vorurteil hat einen schlechten Ruf. Und zurecht, denn ein faires Urteil kann erst im Nachhinein gefällt werden. Eine Annahme hingegen muss noch überprüft werden.

Mit Erfahrung und mit mehr oder minder ausgefeilter Logik bauen wir Konzepte und Theorien. Jedoch ist auch eine Theorie eine Schablone für den zukünftigen Verlauf von Dingen. Und sobald man eine Theorie benutzt, sucht man nach ihrer Bestätigung.

Dies lässt sich schwer umgehen. So funktioniert unser Verstand. Aber es ist gut zu wissen, dass es oft sinnvoll ist, mit einem freien Geist nochmal erneut an Dinge heranzugehen.

Versuchung

Wer merkt, dass nicht die anderen nervig sind, sondern man selbst schlecht gelaunt ist, ist trotzdem versucht, den anderen die Schuld zu geben. Die reine Erkenntnis ist keine Absicherung gegen eigenes Fehlverhalten. Unsere Stimmungen und Gefühle sind häufig stärker als der gute Wille. Am besten schützen wir uns durch Vorsorge. Wir können Ruhe-, Entspannungs-, Ausgleichsmethoden finden, die uns entsprechen und die uns helfen. Klassiker sind Bewegung, Kreativität, Schreiben, Therapie, Selbsthypnose und Meditation.

Klarheit

Wenn wir in einigen Feldern häufig auf Probleme stoßen, können wir die Quelle dafür in uns selbst suchen. Wer dauernd missverstanden wird, drückt sich nicht klar aus. Wer oft in Konflikten steckt, hat wahrscheinlich die echten Konflikte mit sich selbst.  Wenn wir andere dafür verantwortlich machen, wie es uns geht, haben wir keinen sicheren Stand.

Eine sehr gute Grundlage, um mit Menschen gut klar zu kommen ist, mit sich selbst klar zu kommen. Um mit sich gut klar zu kommen, muss man sich kennen lernen. Um sich kennen zu lernen, muss man ab und zu mit sich allein sein. Nicht mit sich und einem Medium, sondern mit sich und seinem Bewusstsein.

Natur

Jeder ist immer irgendwann und irgendwo im Leben auf der Suche nach Leben. Jeder ist an besonderen Orten unter besonderen Umständen und mit besonderen Sorgen. Sorgen um die Zukunft von uns selbst, unseren Mitmenschen, unseres Landes, der Umwelt und der Welt. Immerhin: ums Universum müssen wir uns keine Sorgen machen.

Aber wir feilen an unseren Gedanken, unserer Haltung, unserem Atem, unserem Empfinden, unserem geistigen und materiellen Konsum, unseren Worten, unseren Handlungen, unserem Input und Output, unserer Planung für gleich, nachher, morgen, die nächsten Wochen, Monate, Jahre und Jahrzehnte und um die Zukunft unserer Kinder und Enkel.

Es ist die Natur des Menschen aufwärts zu streben, wie es die Natur des Wassers ist, abwärts zu fließen. Während wir driften im Universum.

Dinge

Wir leben in einer Gesellschaft des Habens und An-Orten-gewesen-seins, einer Welt des Konsumiert- und Erlebthabens. Es gibt so viele Dinge und Orte! Was will man damit? Wer braucht sie? Wie viele Teller, Schalen, Gläser, Lampen, Teekannen, T-Shirts und Stifte kann ein Mensch brauchen? Durch wie viele Landschaften, Städte, Länder und Kontinente will man gelaufen und gefahren sein?

Wir verlieren uns in Dingen und Erlebnissen. Sie mögen unsere Persönlichkeit prägen. Aber was sagt das über den Wert von Persönlichkeit an sich aus? Im Kern sind wir Bewusstsein, das das Treiben der Welt wahrnimmt.

Desinfizierung

Auch psychische Verletzungen verursachen Wunden. Wenn wir verletzt worden sind (oder uns verletzt haben), müssen wir unsere Wunde pflegen. Wenn wir sie ignorieren, oder sogar weiterhin stark belasten, fügen wir uns Schaden zu.

Wenn wir verletzt worden sind, müssen wir es merken und akzeptieren. Wir müssen die Wunde reinigen, das kann schmerzhaft sein. Wir müssen die Wunde schützen. Wenn die Wunde tief ist, nicht nur die Wundstelle: der ganze Körper braucht Ruhe. Vielleicht brauchen wir Hilfe.

Psychische Verletzungen können wir spüren. An unserer Haltung, unserem Appetit, daran, ob sich unangenehme Gedanken im Kreis drehen. Wir sind alle verletzbar. Wer es nicht ist, lebt zurückgezogen in einer Rüstung. Auch Thich Nhat Hahn sagt, dass er nach Gesprächen, in denen es um Unfrieden ging, eine Weile in Ruhe herumläuft, um sich wieder zu sammeln. (Peacefull Walking).

Feuer

Ob beim Lernen, Trainieren, dem Aufbau eines Geschäfts oder einer Freundschaft: Eine Starthilfe ist von großem Wert. Aber etwas daraus zu machen, kostet Mühe und Anstrengung, Langeweile und Durchhaltevermögen.

Jegliche Aufbaustrecken bestehen zu großen Teilen aus Plateaus. Diesen langen Strecken, auf denen wir uns mühen und weiterschleppen, ohne vom Gefühl belohnt zu werden, tatsächlich weiter zu kommen.

Wenn ein Funke zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist, kann er ein Interessefeuer entfachen. Und angesichts des schnellen Lichts und der schnellen Wärme, die dieses Strohfeuer liefert, sind wir motiviert, aus der nahen Umgebung alles Brennbare zu holen und hineinzuschmeißen.

Mühsamer wird es, die großen Stämme zu holen, die lange brennen. Aber dies ist das Feuer, das uns nachhaltig versorgt, das andere anzieht und die wahre Grundlage bietet, etwas zu erschaffen.

Zucker

Was wird alles getan fürs Wachsein? Wie viel Kaffee und Zucker nehmen wir ein, um präsent, um fit, um wach zu sein?

Und was wird alles getan und eingenommen, um zur Ruhe zu kommen, um zu schlafen!

Wir brauchen einen langen Atem, um eine gewisse Balance unseres Schlaf- Wachrhythmus herzustellen. Und für ein befriedigendes Ergebnis müssen wir manchmal über unseren Tellerrand hinaus schauen. Die besten Methoden zeigen weder unmittelbare Wirkung, noch fallen sie auf Anhieb leicht. So schwer es zu verstehen sein mag: wenn wir weiter machen, wie bisher, werden wir bekommen, was wir auch vorher bekommen haben.

Mammuth

Was ist die Angst zu scheitern? Angst, Zeit zu verlieren? Angst, dass andere oder wir selbst uns lächerlich finden? Haben wir nur diesen einen Versuch und der darf nicht misslingen? Haben wir Angst zu enttäuschen? Oder haben wir eine undefinierbare Urangst*, die uns zu absurden Ausreden verleitet? Auf jeden Fall haben wir am Ende immer Angst, uns unwohl zu fühlen.

Was wir paradoxerweise nicht berücksichtigen, ist dass wir durch Angst Zeit verlieren. Dass wir und andere unsere Angst lächerlich finden. Dass Dinge, die wir aus Angst nicht beginnen, zwangläufig misslingen. Dass wir enttäuschen, wenn wir uns nicht trauen.

Diese Angst sitzt tief. Und es ist klar, dass wir sie nicht einfach wegwischen können. Aber es ist auch klar, dass sie so eine essentielle Rolle in unseren Leben spielt, dass es sich lohnt, Zeit zu investieren und sich unsere Ängste eine nach der anderen vorzuknöpfen.

*Es lohnt sich, etwas zu scrollen und ein paar der Mammuth-Cartoons anzuschauen.

Menschenkenntnis

Wer von sich behauptet, er hätte Menschenkenntnis, ist entweder ein Profi seines Fachs und nur darauf bezieht sich seine Menschenkenntnis. Oder er ist ein blutiger Anfänger.

Wer allgemein von Menschenkenntnis spricht, hat wahrscheinlich wenig Kenntnis von Menschen. Denn das Thema Mensch ist so groß, dass es dafür zahllose Studienfächer gibt.

Wer seine Kenntnis über die Menschen vertiefen möchte, kann die richtigen Fragen stellen: Wie funktioniere ich? Wie funktioniert das Denken? Wie funktioniert Sprache und Text? Wie funktionieren Gefühle? Wie funktionieren Sehen, Hören und Assoziation?

Hilfsmittel, um Antworten zu bekommen sind Schreiben, Meditieren, Lesen von Literatur und Meister seines Faches werden.

Luft

Wer tief einatmet ordnet den Körper so, dass Gelenke, Muskeln und Gefäße frei und locker sind. Wer tief Luft holt, korrigiert seine Haltung. Durch tiefes Luftholen weitet sich der Brustkorb. Die Schultern legen sich zurück und die Wirbelsäule streckt sich.

Außerdem wird das Blut mit Sauerstoff versorgt und das Blut versorgt Gehirn und Organe.

Durch das Beachten des Atems richtet sich der Geist auf den Moment aus. Denn der Atem findet immer im Jetzt statt. Deshalb bekommt der Atem zentrale Aufmerksamkeit in allen ganzheitlichen Sportpraktiken.

Wer regelmäßig bewusst atmet, macht es sich schnell zur Gewohnheit, weil der Effekt so deutlich ist.

Hunger

Immer satt zu sein macht stumpf. Hungrig schmeckt das Essen besonders gut. Auch Essen, dass sonst nicht den höchsten Ansprüchen genügen würde, ist überaus befriedigend.

Hunger kann ein grosser Helfer sein. Enthaltsamkeit holt den Geist aus der Reserve. Hungrig ist man bereit, Neues auszuprobieren und das Andere zu schätzen. Und besonders würdigen wir Dinge oder Gerichte, die uns einst aus der Not geholfen haben.

So dient Urlaub der Arbeit. Das Fasten dem Essen. Das Schweigen dem Ausdruck und dem Miteinander. Das Luftanhalten der Sauerstoffversorgung und dem Hormon- und Säurehaushalt.

Und dass die Meditation einfache und verschobene Gedanken interessant, dringlich, fast unwiederstehlich macht, und uns selbst in den antriebslosesten Zeiten nach Handeln gieren lässt, kann jeder, der noch nie meditiert hat, in weniger als 5 Minuten des stillen Sitzens am eigenen Leib erfahren.

Fluss

Wir schauen zu, wie der Fluss fließt. Die Strömung treibt den Wandel. Unaufhörlich fließt der Fluss aus tausenden Quellen in seine Unendlichkeit und nährt und zehrt und zerrt und schiebt und rauscht und plätschert vorbei an den Seelen des Lebens.

Der Fluss ist ein Sinnbild der Ungreifbarkeit des Seins. Wir sind unterwegs in diesem Fluss von Zeit und Materie.

Und wir können jederzeit aus diesem Blickwinkel schauen, auf das, was uns umgibt. Wenn wir innehalten, spüren wir das Sein jenseits von Wort und Sinn.

Input

Wir leben zwischen den Polen. Anstrengung und Ruhe, Input und Output, Aufregung und Kontemplation, Anspannung und Entspannung.

Nahrung, soziale Bindung, Information waren jahrtausendelang Mangelware. Für die meisten Lebewesen, die es in der Evolution bis heute geschafft haben, war es nicht einfach, genug zu bekommen, um zu überleben. Daher sind wir tendenziell nicht auf ein Weniger oder einen Ausgleich, sondern auf ein Mehr ausgelegt. 

Offensichtlich hat sich die Lage geändert. Die Lebensbedingungen für Körper, Geist und Umwelt unterliegen nun den Bedingungen des Überflusses. Plötzlich müssen wir ein aktives Innehalten provozieren, anstatt nach dem Mehr zu suchen.

Wir müssen unseren Input aktiv kuratieren: Sinnvolles von Junk trennen, uns aktiv darum kümmern, diesem Input eine Chance zu geben, sinken zu können und seine Wirkung zu entfalten.