Gewichte

Der kürzeste Weg ist nicht immer der beste. Wir haben ein waches Auge für Erleichterungen und Abkürzungen, doch oft lohnt es, sich Dinge etwas schwerer zu machen.

Produkte im Geschäft aussuchen gehen, anstatt sie sich im Internet zu klicken. Eine Platte kaufen, auflegen und umdrehen, anstatt Musik zu streamen. Lesen, anstatt den Film zu schauen. Essen selbst machen, anstatt liefern zu lassen.

Auf Abkürzungen geht einiges verloren, oft ein Teil der Seele des Weges. Hier und da ist es sinnvoll, Prioritäten zu setzen. Lieber für einiges den längeren Weg gehen. Dafür anderes ganz weglassen.

Komfortzonen

Musik hören, die nicht die gewohnten Wohlfühl-Trigger anspricht. Mit Menschen sprechen, bei denen man nicht gleich versteht, was sie meinen. Geschmäcker schmecken, die nicht auf Anhieb schmecken. Oder sich in eine Stille hervorwagen, die unser Verstand nicht versteht:

Wer Neues erleben möchte, wer sein Leben erweitern möchte, wer die Freude des Anderen fühlen will, der muss die gewohnten Wege verlassen.

Mischung

Mixing Colours heißt das neue Album von Brian Eno. Dieses Album ist stark gefärbt von seinem Bruder Roger Eno. Und Roger ist es wahrscheinlich, der dieser Musik die Leichtigkeit und Zugänglichkeit schenkt.

Das Album präsentiert viele Titel atmosphärischer Klaviermusik. Ambiente ohne Pop und Naivität, ohne ziellos verschwommene Drones und düsterem Rauschen. Klang, der freundlich einlädt, auf ihm zu driften, oder ihm in die Tiefe zu folgen.

Versuche

Wer im Trüben fischt, macht Avantgarde. Wer für die Menschen da sein und Erfolg haben möchte, der kann eine Revolution in Gang bringen. Wer ein neues Produkt machen möchte, muss ausprobieren. Wenn klar wäre, dass ein Produkt erfolgreich sein wird, wäre es schon am Markt. Wer Verschiedenes versucht, hat vielleicht Erfolg.

Bob Dylan, der größte Neuerer der populären Musik des 20. Jahrhunderts,  hat vieles versucht. Manchmal hat er einen allgemeinen Nerv getroffen, meistens nicht.

Wer etwas herstellen oder eine Leistung anbieten möchte, sollte sich überlegen: Wie könnte das, was ich mache so funktionieren, dass es verstanden und gemocht wird? Wie kann ich etwas so machen, dass es vielen Menschen den größtmöglichen Nutzen bringen kann?

Mir haben diese Gedanken geholfen, ein am Markt erfolgreiches Produkt zu entwickeln.

Mode

Das Gesetz von Yin und Yang ist universell. Wer es im Einzelnen finden möchte, muss nicht lang suchen. Wir brauchen Abwechslung: Kleidung, Musik, Alltagssprache, literarische Inhalte und Kulinarik müssen sich konstant verändern. Tabus werden gebrochen und anderes wird zum Unsagbaren.

Vor einigen Jahren, hätte sich kein Mann mit Schnauzbart auf die Straße getraut. Ebenso wenig mit Hosen, die nicht über den Schuhansatz reichen. Und der erste Hochwasserhosenträger wurde nicht als Vorreiter wahrgenommen, sondern als Mensch mit eingelaufener oder ungeschickt gewählter Hose.

Doch Geschmacksveränderungen schleichen voran. Es kommt immer ein Erster, der demonstriert: Seht her, ich mache, was ich will und ich komme damit durch! Und das ist der nächste Anfang vom Ende.

Was Mode angeht ist es sinnlos, seine Wahl nicht ab und zu dem Konsens anzupassen. Aber wenn man, um authentisch zu bleiben, seinen Geschmack ändern muss, warum soll man sich dann überhaupt aufregen, wenn einem etwas nicht gefällt?

Oft regt man sich tatsächlich weniger über schlechten Geschmack auf, als darüber, dass etwas oder jemand sich nicht anpasst und aus der Reihe tanzt.

Schleier

Der Verstand springt hin und her. Er liebt es, sich an seinem Bauch- an seinem Körpergefühl zu orientieren. Dieses Gefühl ist allerdings von Urinstinkten geprägt, die unseren tatsächlichen Gegebenheiten gegenüber oft nicht zuträglich sind. Deshalb ist es gut, sich Dinge aufzuschreiben. Ganz davon abgesehen, dass ToDo-Listen gut sind, weil man in ihnen gut Prioritäten setzen kann und sich nicht in Unwichtigem verfriemelt.

Hervorragend ist auch eine ausführliche Liste mit Dingen, die man tun kann, wenn man sich gern besser fühlen würde. Dort kann vieles Stehen, was man einfach und immer tun kann. Dass in dieser Liste nicht stehen sollte, einen Cocktail trinken, oder Schlechte Stimmung verbreiten, versteht sich von selbst. Aber Dinge, wie Duschen, Aufräumen, 2 Minuten hüpfen, sich Dehnen, Musik hören und vieles andere ist gut. Diese vielen kleinen Dinge kann man tun, um sich von dunklen, schweren Schleiern zu befreien, auch mehrere hintereinander. Gut ist eine Liste mit mindestens 50 Ideen.

Kontraste

Durstig ist es umso angenehmer etwas zu trinken und hungrig ist ein einfaches Essen eine große Freude. Das ist übrigens einer der unmittelbaren Vorteile des 16/8-Fastens.

Aus Entspannung und Trödelei freudig in eine Schaffensphase zu gleiten ist auch wie ein angenehmes Sich-Fallen-Lassen. Trödelnd eine Menge Wegzuarbeiten kann auch eine besonders effektive Arbeitsweise sein. So wie sanfte Melodien und schnelle Rhythmen sich gegenseitig erheben.