Öffnen

Ehrlich ausgelöste Gefühle tendieren langfristig dazu, sich zu vermehren anstatt sich zu verbrauchen. Was Gefühle angeht, sind die Auslöser verschieden, die Gefühlserfahrung ist dieselbe.

Der Begeisterung ist es egal, wo sie her kommt. Sie kann ausgelöst werden durch Natur, Musik, Kommunikation oder Bewegung. Wir können verschiedene Türen öffnen, damit die Begeisterung hereinkommen kann.

Umgekehrt können wir andere Türen schließen, damit bestimmte Gefühle nicht aufkommen. Wenn aber eine Tür geöffnet ist, können wir vorher nicht genau sagen, wer hereinkommt und wer nicht.

Relativität

Wir mögen Pflanzen, Musik, Informationen, Gespräche, Ruhe und das, womit wir diese Dinge bekommen oder verbessern können. Geld ist ein Universalding. Aber Geld tatsächlich zu einem lukrativen Zweck zu nutzen, ist eine Sache für sich. Wer eine 25-Stunden-Woche arbeitet, braucht sich Ruhe nicht teuer erkaufen. Wer nur 5 Stunden Schlaf bekommt, dem wird sein teures Bett nicht viel nützen. Und wer gestresst ist, für den ist das beste Essen geschmacklos.

Im Materiellen entsteht der Wert von Haben und Nichthaben aus dem Vergleich. Der Wert von Zeit ist weniger relativ.

Komfort

Was bedeutet es, sein Komfortzone zu verlassen? Es bedeutet nicht, Erdbeeren mit Salz und Senf zu essen, oder zum x-ten Mal zu merken, dass man die Musik von Queen und Die Ärzte nicht leiden kann. Es geht nicht darum, etwas zu tun, oder zu erleben, was einem bekannt ist und nicht liegt.

Wer dem Spruch folgt, seine Komfortzone zu verlassen, der soll die von sich ausgetretenen Pfade verlassen und einen nächsten Schritt ins Unbekannte gehen. Dort soll man nicht sagen, kenn ich nicht, will ich nicht. Sondern sich in Ruhe umschauen und tief genug eintauchen, um es kennen zu lernen.

Gewichte

Der kürzeste Weg ist nicht immer der beste. Wir haben ein waches Auge für Erleichterungen und Abkürzungen, doch oft lohnt es, sich Dinge etwas schwerer zu machen.

Produkte im Geschäft aussuchen gehen, anstatt sie sich im Internet zu klicken. Eine Platte kaufen, auflegen und umdrehen, anstatt Musik zu streamen. Lesen, anstatt den Film zu schauen. Essen selbst machen, anstatt liefern zu lassen.

Auf Abkürzungen geht einiges verloren, oft ein Teil der Seele des Weges. Hier und da ist es sinnvoll, Prioritäten zu setzen. Lieber für einiges den längeren Weg gehen. Dafür anderes ganz weglassen.

Komfortzonen

Musik hören, die nicht die gewohnten Wohlfühl-Trigger anspricht. Mit Menschen sprechen, bei denen man nicht gleich versteht, was sie meinen. Geschmäcker schmecken, die nicht auf Anhieb schmecken. Oder sich in eine Stille hervorwagen, die unser Verstand nicht versteht:

Wer Neues erleben möchte, wer sein Leben erweitern möchte, wer die Freude des Anderen fühlen will, der muss die gewohnten Wege verlassen.

Mischung

Mixing Colours heißt das neue Album von Brian Eno. Dieses Album ist stark gefärbt von seinem Bruder Roger Eno. Und Roger ist es wahrscheinlich, der dieser Musik die Leichtigkeit und Zugänglichkeit schenkt.

Das Album präsentiert viele Titel atmosphärischer Klaviermusik. Ambiente ohne Pop und Naivität, ohne ziellos verschwommene Drones und düsterem Rauschen. Klang, der freundlich einlädt, auf ihm zu driften, oder ihm in die Tiefe zu folgen.

Versuche

Wer im Trüben fischt, macht Avantgarde. Wer für die Menschen da sein und Erfolg haben möchte, der kann eine Revolution in Gang bringen. Wer ein neues Produkt machen möchte, muss ausprobieren. Wenn klar wäre, dass ein Produkt erfolgreich sein wird, wäre es schon am Markt. Wer Verschiedenes versucht, hat vielleicht Erfolg.

Bob Dylan, der größte Neuerer der populären Musik des 20. Jahrhunderts,  hat vieles versucht. Manchmal hat er einen allgemeinen Nerv getroffen, meistens nicht.

Wer etwas herstellen oder eine Leistung anbieten möchte, sollte sich überlegen: Wie könnte das, was ich mache so funktionieren, dass es verstanden und gemocht wird? Wie kann ich etwas so machen, dass es vielen Menschen den größtmöglichen Nutzen bringen kann?

Mir haben diese Gedanken geholfen, ein am Markt erfolgreiches Produkt zu entwickeln.

Mode

Das Gesetz von Yin und Yang ist universell. Wer es im Einzelnen finden möchte, muss nicht lang suchen. Wir brauchen Abwechslung: Kleidung, Musik, Alltagssprache, literarische Inhalte und Kulinarik müssen sich konstant verändern. Tabus werden gebrochen und anderes wird zum Unsagbaren.

Vor einigen Jahren, hätte sich kein Mann mit Schnauzbart auf die Straße getraut. Ebenso wenig mit Hosen, die nicht über den Schuhansatz reichen. Und der erste Hochwasserhosenträger wurde nicht als Vorreiter wahrgenommen, sondern als Mensch mit eingelaufener oder ungeschickt gewählter Hose.

Doch Geschmacksveränderungen schleichen voran. Es kommt immer ein Erster, der demonstriert: Seht her, ich mache, was ich will und ich komme damit durch! Und das ist der nächste Anfang vom Ende.

Was Mode angeht ist es sinnlos, seine Wahl nicht ab und zu dem Konsens anzupassen. Aber wenn man, um authentisch zu bleiben, seinen Geschmack ändern muss, warum soll man sich dann überhaupt aufregen, wenn einem etwas nicht gefällt?

Oft regt man sich tatsächlich weniger über schlechten Geschmack auf, als darüber, dass etwas oder jemand sich nicht anpasst und aus der Reihe tanzt.

Schleier

Der Verstand springt hin und her. Er liebt es, sich an seinem Bauch- an seinem Körpergefühl zu orientieren. Dieses Gefühl ist allerdings von Urinstinkten geprägt, die unseren tatsächlichen Gegebenheiten gegenüber oft nicht zuträglich sind. Deshalb ist es gut, sich Dinge aufzuschreiben. Ganz davon abgesehen, dass ToDo-Listen gut sind, weil man in ihnen gut Prioritäten setzen kann und sich nicht in Unwichtigem verfriemelt.

Hervorragend ist auch eine ausführliche Liste mit Dingen, die man tun kann, wenn man sich gern besser fühlen würde. Dort kann vieles Stehen, was man einfach und immer tun kann. Dass in dieser Liste nicht stehen sollte, einen Cocktail trinken, oder Schlechte Stimmung verbreiten, versteht sich von selbst. Aber Dinge, wie Duschen, Aufräumen, 2 Minuten hüpfen, sich Dehnen, Musik hören und vieles andere ist gut. Diese vielen kleinen Dinge kann man tun, um sich von dunklen, schweren Schleiern zu befreien, auch mehrere hintereinander. Gut ist eine Liste mit mindestens 50 Ideen.

Kontraste

Durstig ist es umso angenehmer etwas zu trinken und hungrig ist ein einfaches Essen eine große Freude. Das ist übrigens einer der unmittelbaren Vorteile des 16/8-Fastens.

Aus Entspannung und Trödelei freudig in eine Schaffensphase zu gleiten ist auch wie ein angenehmes Sich-Fallen-Lassen. Trödelnd eine Menge Wegzuarbeiten kann auch eine besonders effektive Arbeitsweise sein. So wie sanfte Melodien und schnelle Rhythmen sich gegenseitig erheben.

Settings

Was wir sehen, was wir hören und riechen ist ein Teil von uns. So wie die Luft, die in unserem Blut durch unsere Adern fließt, so wie das Gegessene, das zu unserem Körper wird. Der Raum, in dem wir uns bewegen ist ein starker Teil des Jetzt, das wir gerade sind und erleben. Wie der Duft der Linden der momentan die Berliner Straßenzüge bezaubert, gibt es Musikstücke, die die Kraft zu haben scheint, die Seele zu heilen.

Richard James hat einige solche Stücke produziert. Und es gibt Menschen, die sich die Mühe gemacht haben, einige seiner Musikstücke zu verlängern, oder stark zu verlangsamen. Man kann sie leicht auf YouTube finden.

Es lohnt sich sehr, zu dieser Musik zu kochen, aufzuräumen, zu arbeiten, zu fahren, oder andere gewohnte Dinge zu tun.

 

 

Sanft

Die schönsten Symbiosen entstehen aus vereinten Gegensätzen. Das Sanfte gibt dem Kraftvollen eine besondere Legitimation. Das Grobe und das Vollendete erheben sich miteinander. Das Yin und Yang ist nicht nur ein hübsches Zeichen. Die Weisheit des Yin und Yang lehrt uns die Einheit – Erkenntnis statt Urteil.

Sanft 3

Eins meiner liebsten und am meisten gehörtesten Musikstücke ist von Moby Long Ambients 6. Diese Musikstücke sind eigentlich als Einschlaf- und Schlafhilfe gedacht und werden von ihm kostenlos zum Download zur Verfügung gestellt. Ich finde dieses 20-minütige Stück (la6) musikalisches Ambiente wunderbar zum Baden, Aufräumen, Schreiben, für Autosuggestion, Selbsthypnose und Metta-Meditation. Wer es hört, wird in eine Stimmung von tiefem Frieden versetzt.

 

PS: Hervorragend eignet sich solche Art schöner Ambient-Musik auch zum Unterlegen von Vorträgen und Audio-Workshops. Dafür muss man sie sich natürlich entweder vorher zusammenmischen, oder über zwei getrennte Wiedergabesysteme abspielen. Aber es lohnt sich. Text bekommt durch Musikunterlegung eine neue Tiefe und kann uns nachhaltiger berühren.

König

Noise ist eine abstrakte psychedelische Musik. In der Zeit, in der ich mich mit Noise beschäftigt habe, fand ich keinen besseren Noise-Künstler als Merzbow.

Merzbow ist der Künstlername von Masami Akita. Oder wie er selbst es ausdrückt: Merzbow is the Vegan Straight Edge Noise-Projekt from Masami Akita.

Noise ist wie ein Frequenzwellenbad. Der Lärm kann den eigenen Gedankenlärm ausstellen – so wie Wellen die Spuren im Sand klarspülen. Ob Noise radikal ist, oder ein Statement, oder was das überhaupt ist, kann jeder für sich entscheiden.

Zwei besonders gute, reine Noise-Soloalben von Merzbow: 1930 und Sphere, sind auf John Zorns Label Tzadik erschienen. Eine wunderbare Zusammenarbeit ist die Dubfusion Merzdub mit Jamie Saft. Wer sich mit einem dieser Alben in die Wellen stürzt, kann neue klangliche Weiten erleben.

Ende und Anfang

Wunderbar zum Jahresausklang. Der perfekte Soundtrack zum Jahreseinstieg. Ursprünglich zur Mitte des Jahres erschienen: Seit sieben Monaten online auf Soundcloud. Und mich hat es gerade erst kalt erwischt. Dank RA’s Best Mixes 2018 bin ich wieder im DJ-Metatron-Fieber.

Hoppla! Ein fast dreistündiges Album, das dem Künstler aus den Händen gerissen worden wäre, hätte er es nicht nur umsonst bei Soundcloud angeboten. Nice!

DJ Healer – Planet Lonely. Tatsächlich wäre ich zu jedem Zeitpunkt des Jahres froh über diese Musik gewesen und sie hätte, wie sie es gerade tut, alles andere von den Plattenspielern und Playlists verdrängt.