Zeit

Wenn gerade nichts dringend ist, kann man all das tun, was sowieso noch getan werden muss. Nichts davon ist Zeitverschwendung. Wir können den Weg des geringsten Widerstands gehen und erledigen, was uns am leichtesten fällt. Vielleicht erfahren wir nebenbei sogar etwas über unsere wahren Präferenzen.

Genauso können wir es machen, wenn wir Geld über haben. Wenn es Dinge gibt, die wir sowieso anschaffen müssen, kaufen wir sie besser heute als morgen. So können wir sie länger benutzen und bekommen auf diese Weise mehr für unser Geld.

Vergehen

Fast alles vergeht – ohne Wenn und Aber. Paradoxer Weise bleibt das, wovor wir flüchten möchten. Es folgt uns, als würden wir nicht davon laufen, sondern hinterher. Es verfolgt uns, wie eine Wespe, die wir durch Hin- und Herwedeln mit der Hand vertreiben möchten.

Gefühle vergehen, wenn wir sie nicht betäuben. Widrige Umstände vergehen, wenn wir uns nicht verrückt machen. Schwierige Aufgaben vergehen, wenn wir ihnen entgegentreten.

Verbrennen

Wenn es wirklich drauf ankommt, kann das Meiste ins Feuer geschmissen und verbrannt werden. Für die einfachste Ebene kann passend gemacht werden, was nicht passt.

Wer nicht ins Muster der gesellschaftlichen Forderungen passt, muss sich um so mehr anstrengen, um es dann doch nicht zu schaffen. Und jeder kennt einen Teil in sich, für den das zutrifft. Wer auf den polierten Wegen nicht durchgelassen wird, die im Angebot sind, muss seinen eigenen Weg finden.

Oder wie es im Daodejing heißt: Ein krummer Baum wird nicht gefällt.

Luxus

Verglichen mit dem Leben ist die Kunst unwichtig. Das Leben ist immer zuerst da. Kunst ist ein Zusatz. Manchmal ein notwendiger Ausdruck, ein Ventil, aber immer ein Luxus. Das heißt nicht, dass die Kunst nicht groß ist und wichtig. Aber das Leben selbst ist größer. Es ist am wahrsten, am wahrhaftigsten, am wirklichsten, am stärksten. Wir sollten nicht daran verzweifeln, den zweiten Schritt vor dem ersten gehen zu wollen.

Mehr

Wenn man nicht weiß, wo man sich befindet, ist es gut, erstmal eine Tür zu öffnen und hinaus zu schauen. Dann kann man sich überlegen, was es da Draußen für einen geben könnte. Man deutet, was man sieht, überlegt sich, was dort noch sein könnte und macht sich einen Plan. Dann geht man los und guckt nach, was wirklich da draußen ist.

Und man findet viel mehr, als man sich je hätte vorstellen können.

Lenken

Ich wünschte sollten wir uns nicht sagen. Wenn man sich etwas wünscht, dann sollte man es auch sagen. Wer sich etwas wünschte, der würde sich etwas nur unter bestimmen Umständen wünschen. Wir müssen wissen, dass wir tatsächlich viele Wünsche frei haben.

Unsere Gedanken sind automatisch Gebete an unser Unbewusstes. Und das Unbewusste zieht mehr Strippen, als wir vielleicht meinen. Deshalb sollten wir uns überlegen, was wir denken wollen. Wir sollten uns überlegen, welche unserer Gedanken uns in die richtige Richtung lenken und welche in die falsche.

 

 

Klang

Klang kann man nicht festhalten. Wer genau hinhört, kann es nur genau Jetzt tun. Klang kennt keinen Stillstand. Jeder Klang ist in Entwicklung. Genaues Hinhören ist immer frisch. 

Das genaue Hinhören ist ein Weg in den Moment und damit ein Weg hinaus aus Sorgen, Gründen, Verarbeitung und Planung. Wer dem Verklingen einer Klangschale zuhört, folgt einem Weg in die Stille.

Trophäen

Wir möchten uns Dinge selbst erarbeitet haben. Wir möchten verstehen, warum wir sie haben. Sie sind Trophäen.

Wir stehen Angeboten skeptisch gegenüber, wenn wir sie nicht verstehen. Wir haben Sorge, dass einem Geschenk, das wir angenommen haben, nachträglich ein Preis angeheftet wird. Nachträglich angeheftete Preise muss man zwar nicht bezahlen. Aber wir möchten nichts zu Unrecht angenommen haben.

In Wahrheit geht es uns selten um die Dinge selbst. Es geht weniger um den tollen Geschmack, um die großartige Qualität, um vollendete Schönheit. Der befriedigender Wert von Dingen entsteht durch unsere Verbindung zu ihnen.

Routine

Wir müssen uns nicht in die enge Kiste der genauen Regeln quetschen. Wer die Regeln kennt, kann sie brechen. Wir können Dinge so tun, wie sie uns angenehm sind. Wir müssen nicht immer an einem genauen Tag für eine genaue Zeit in einem bestimmten Tempo joggen gehen, nur um unser Ideal zu erfüllen. Auch zur Meditation brauchen wir nicht auf präziseste Weise und auf den Punkt 30 Minuten sitzen.

Wir können ab und zu fühlen, was wir wirklich wollen, wie wir uns wohl fühlen. Wir müssen nicht um 6 Uhr aufstehen, um unsere Morgenroutine perfekt zu erfüllen. Wir können aufwachen, wenn wir aufwachen und gucken, was wir morgens eigentlich tun wollen. Vielleicht brauchen wir nur minimale Veränderungen, um Dinge so umzugestalten, dass wir uns wohl fühlen, anstatt gestresst.

Es ist allerdings sinnvoll, sich diesem gewissen Stress eine Zeitlang auszusetzen, um eine Tätigkeit zur Gewohnheit oder Routine werden zu lassen.

Kreisverkehr

Es gibt keine Sicherheit. Selbst Weisheit ist nichts, worauf man sich ausruhen kann. Wie wir uns regelmäßig frisch, sauber und fit halten, müssen wir auch konstant das Fundament dieses Gemisches aus Ein- und Aussicht stabil halten.

Es zur Gewohnheit werden zu lassen, immer mit der gleichen Tour durchzukommen, ist verlockend. Doch wer nicht im Kreis gehen möchte, muss sich wenigstens ab und zu ins Ungewisse vorwagen.

Recht

Haben wir Recht, wenn uns Recht gegeben wird, oder wenn wir selbst zu wissen meinen, dass wir im Recht sind? Würden wir vor Gericht bestehen? Und würden wir in 10, 20, 50 Jahren vor Gericht bestehen? 

Wo Worte zu Sinn werden, entstehen Gesetze. Da Menschen ständig die Grenzen ausloten, existiert ein Fluss der Veränderung. Wir schaffen gemeinsame Regeln, die wir konstant anpassen müssen. 

Zum Zusammenleben muss es Grenzen geben, die für alle gleichermaßen gelten. Am besten gibt es Gesetze, die auf gesellschaftlichen Werten und dem Stand der Forschung begründet sind. Doch Auslegung und Philosophie sind untrennbar mit dem Thema Gesetz verbunden.

Unser Sein gründet sich auf Gemeinschaft. Wir müssen dafür manchmal persönliche Ungerechtigkeit und Abstriche zu Gunsten der Gemeinschaft in Kauf nehmen.

 

Gegenteil

Wo kommt man an, wenn man alle Laster abgelegt hat, sich immer frisch fühlt und voll Zuversicht den nächsten Meilenstein vor Augen hat?

Oder sollte man sich fragen, wo man ist, wenn das Gegenteil der Fall ist? Wie man sich fühlt, wenn man krank ist? Wie man sich fühlt, wenn man abgekämpft ist und nicht sicher, ob man die Ziellinie passieren wird? Wie geht es einem im Streit? Wie geht uns, wenn wir uns unzulänglich und missverstanden fühlt?

Es gibt Orte, an denen wir sein möchten und es gibt Orte, die wir meiden. Sicher: überall kann man etwas Unmut finden, überall einen Funken Glück. Aber selbst wenn wir meinen, dass alle Wege bergab führen, wenn wir die Spitze erreicht haben, sollten wir uns im Klaren sein, dass dies kein Grund ist, dort zu bleiben, wo wir uns unwohl fühlen.

Geheimnisse

Wer nicht ehrlich mit sich ist, hat es schwer, sich zu ändern. Ein einflussreicher Teil in uns möchte, dass wir bleiben, wo wir sind. Er stiftet uns zu einer Logik an, die es uns erschwert, uns von Schädlichem zu lösen und weiter zu kommen.

Wenn wir unsere Defizite im Geheimen als Tugenden betrachten, schaffen wir eine Ambivalenzwaage auf der wir uns in der Mitte zwischen Ja und Nein einpendeln.

Dem süßen Laster erliegen. Uns hilflos geben und demütig schwächer sein, als das harte Leben. Mehr Zusagen, als wir liefern können, weil wir nicht kurzfristig enttäuschen möchte. Oder Namen nicht erinnern, weil wir Wichtiges zu tun haben. Schusselligkeit als unterschwelliges Zeichen, mit Wichtigem beschäftigt zu sein.

Besser fragt man sich ehrlich, was man will und was man nicht will und schafft die Ambivalenz ab. So muss man nicht so tun, als würde man etwas wollen. Und man muss nicht daran arbeiten, etwas zu erreichen, was man nicht will.

Clubs

Dauernd fürchten wir uns, negativ beurteilt zu werden. Dumm zu sein, lächerlich zu sein, schwach, oder nicht schön zu sein.

Und was wären das für Leute, die uns so abschätzig aburteilen. Möchten wir wirklich in ihren Club? Oder können wir etwas freier sein? Etwas mehr sein, wie wir wirklich sind und etwas weniger, wie wir meinen, wie die anderen uns sehen sollen?

Beweise

Die Hoffnung auf Mystik, einen tieferen Sinn unter der Oberfläche, eine letzte Wahrheit, ist unsere Hoffnung auf einen Sinn jenseits vom Jetzt. Wer auf die Suche geht, gelangt an 1000 Orte, die an weitere 1000 Orte führen. Und mehr Sinn, als Worte beschreiben können, kann keine Erklärung bieten.

Wer eine Antwort möchte, sucht besser danach, keine Antwort zu wollen. Besser man sucht vor den Worten. Besser man sucht an der Quelle.

Schlösser

Jeden Tag erneuert sich die Gesellschaft. Das Neue entsteht, das Alte geht. Die Alten verstehen die Welt der Jungen nicht mehr. Die Jungen sehen die Welt durch andere Augen.

Wer keine Welt kennt, ohne Internet und Bluetooth, wird viel Grundlegendes und Wichtiges nicht verstehen. Doch so wichtig und grundlegend dieses Verständnis auch auch sein mag: braucht er dieses Verständnis?

Wer es hat, möchte es nicht hergeben. Und so kann er zufrieden von dannen ziehen, aus einer Welt, in die er nicht mehr hinein gehört. Wer diese Grundlagen nicht hat, erschafft sich andere. Er kann neue Traumschlösser bauen und in seine eigene Welt einziehen.

Etwas

Irgendetwas hören wir immer. Die Nadel auf der Schallplatte. Die Bahn unter der Erde. Das Fiepen in unserem Gehörgang.

Und auf diese Weise können wir immer finden, was wir suchen. Einen Funken Glück oder Sumpf und Unrecht. Wir sollten weder das eine hysterisch erzwingen, noch das andere krampfhaft meiden. Aber das Leben ist endlich und die Vorräte am Beklagenswerten und an Freude sind unendlich. Wir sollten uns überlegen, wann es sich lohnt, unseren Blick auf das Eine oder das Andere zu richten.

Relativität

Wir mögen Pflanzen, Musik, Informationen, Gespräche, Ruhe und das, womit wir diese Dinge bekommen oder verbessern können. Geld ist ein Universalding. Aber Geld tatsächlich zu einem lukrativen Zweck zu nutzen, ist eine Sache für sich. Wer eine 25-Stunden-Woche arbeitet, braucht sich Ruhe nicht teuer erkaufen. Wer nur 5 Stunden Schlaf bekommt, dem wird sein teures Bett nicht viel nützen. Und wer gestresst ist, für den ist das beste Essen geschmacklos.

Im Materiellen entsteht der Wert von Haben und Nichthaben aus dem Vergleich. Der Wert von Zeit ist weniger relativ.

Erkenntnisse

Man braucht nicht besonders intelligent sein, um etwas zu erreichen. Man sollte sich allerdings einigermaßen selbst einschätzen können. Wer meint, er sei schlauer, als etablierte Ratgeber, bewährte Methoden oder wissenschaftliche Erkenntnisse, gerät nicht nur auf Irrwege, sondern verspielt auch wertvolle Unterstützung. Es ist wahrscheinlicher, grobe Fehler zu machen, als einer der ganz wenigen Schaueren zu sein.

Und gute Ratgeber sind leicht zu finden. Über Finanzen, Führung, Drehbuchschreiben, Ernährung, Dinge-geregelt-kriegen und alles mögliche andere. Man sollte Ratgeber meiden, die alles ganz anders und besser wissen und bei denen alles ganz einfach ist. Für ein solides Grundwissen, nimmt man am besten ein viel gelobtes Standardwerk. 

 

Gewusel

Überall sehen wir Blicke aus der Welt in die Welt. Wenn wir genau hinschauen, finden wir ein Gewusel von Richtungen und Sinn. 

Es ist gut, zu merken, dass wir ein harmonischer Teil unserer Straße, unserer Stadt und der Welt sind, wo sich etwas Bewusstsein eingefunden hat, das den Blick auf sich selbst richtet.

Dieser Blick nimmt dem Leben das Drama und gibt den kleinsten Kleinigkeiten eine wunderliche aber liebenswerte Bedeutung.

Nichtanfangen

In der Konversation ist das Zuhören der erste Schritt zum Verstehen. Im Verstehen von uns selbst, ist die Aufmerksamkeit der erste Schritt. Wenn wir eine Herausforderung angehen, driften wir gelegentlich unbewusst zu süchtigem oder gewohntem Verhalten.

Doch wenn wir in den schöpferischen Bereich vordringen möchten, in den Bereich, wo die Konzepte aufhören, dann kommt eine unsichtbare Hürde ins Spiel, die kaum zu benennen ist. Wir können sie Widerstand nennen. Dieser Widerstand ist die gläserne Glocke, unter der der Prokrastinast zu sitzen meint. Dieser Widerstand ist das wortlose Nichtanfangen. Er ist der große Antagonist vom Kreieren und Meditieren.

Und der größte Gegner vom Widerstand ist die Erkenntnis, dass er da ist. Wer aufmerksam ist, und ihn als das erkennt, was er ist, kann ihn leicht und schweigend passieren.

Komfort

Was bedeutet es, sein Komfortzone zu verlassen? Es bedeutet nicht, Erdbeeren mit Salz und Senf zu essen, oder zum x-ten Mal zu merken, dass man die Musik von Queen und Die Ärzte nicht leiden kann. Es geht nicht darum, etwas zu tun, oder zu erleben, was einem bekannt ist und nicht liegt.

Wer dem Spruch folgt, seine Komfortzone zu verlassen, der soll die von sich ausgetretenen Pfade verlassen und einen nächsten Schritt ins Unbekannte gehen. Dort soll man nicht sagen, kenn ich nicht, will ich nicht. Sondern sich in Ruhe umschauen und tief genug eintauchen, um es kennen zu lernen.

Diplomatie

Wer diplomatisch ist, bemüht sich um Verständnis und zieht verschiedene Sichtweisen in Betracht. Bestenfalls betrachtet er die Argumente auch aus der Sicht seines Gegenübers.

Und mit jeder Person, mit der wir kommunizieren, stimmen wir in einigem nicht überein. Mit einem anderen, meist viel größeren Anteil, stimmen wir überein. Die Frage ist, worauf wir uns gerade fokussieren und wie wichtig diese Punkte im Großen und Ganzen sind.

Fährten

Authentisch zu sein muss nicht heißen, auf der Stelle zu treten. Wir können uns bewusst dazu entscheiden, unseren Zustand zu ändern. So zu tun als ob, kann uns auf die richtige Fährte führen.

Auch wenn wir uns gerade schwach fühlen, können wir uns aufraffen. Wenn wir in Schwung gekommen sind, sind wir ausgewechselt. Das gilt genauso für unsere körperliche, wie unsere psychische Verfassung. Haltung, Mimik, Bewegung können unseren gegenwärtigen Zustand umkrempeln.  Der Wille zum Glück trägt das Glück schon in sich.

Glanz

Im Doadejing steht, wenn man vom Dao spricht, und der Narr nicht laut lacht, wurde nicht vom wahren Dao gesprochen.

Es muss nicht immer so dramatisch sein. Aber was auf den ersten Blick nicht nur nicht glänzt, sondern einem erscheint wie unnütz oder Schrott, kann beim zweiten Betrachten erheblich an Wert gewonnen haben. Der Sinn von Dingen und Worten kann in uns reifen.

Was wir nicht verstehen, halten wir im Kurzschluss oft für unbrauchbar. Bevor wir unser finales Urteil abgeben, können wir noch eine Nacht drüber schlafen. Dann betrachten wir die Dinge mit frischem Blick oder gereiftem Verständnis.

Ebnung

In jedem Atemzug liegt ein Reichtum an Nuancen. Jeder Atemzug ist interessant. Tief, flach, lang, kurz, kraftvoll, schwerelos, zischend, schnaufend oder still. Ein Atemzug fördert Gefühlswallungen, oder schafft Befreiung. Der ganze Körper ist involviert. Lunge, Blut, Muskulatur, Sehen, Hormone und wer weiß, was alles noch. Die Haltung des ganzen Körpers kann vom Atem gesteuert werden.

Es lohnt sich, sich vor der Meditation diese Brisanz klar zu machen. Das schafft eine Begeisterung, die uns den Weg in die Stille ebnet.

 

 

Steppenpflanzen

Menschen sind so verschieden wie Pflanzen. Die einen brauchen Wind und Wetter um stark zu werden. Sie kämpfen darum möglichst hoch zu wachsen, um das meiste Licht abzubekommen. Andere wachsen nur unter dem Schutz großer Bäume. Einige wachsen allein in der Steppe und andere können nur in Symbiosen existieren.

Wenn wir nicht sind, wie die anderen, sind wir nicht falsch. Und in Wirklichkeit wissen wir meist ganz gut, was das Richtige für uns ist. Unsere Nahrung, unser Austauschbedürfnis, unsere Bewegung, unsere Kleidung, unser Stress- und Ruhebedürfnis.