Das Nichterinnerte

Was sind die Dinge, an die ich mich nicht erinnere? Woran kann ich mich überhaupt erinnern? An ein Lied, das ich heute gehört habe? An eine Zugfahrt oder an das, was ich gelesen habe? Oder an etwas, worüber ich mich unterhalten habe? Natürlich nicht an jedes Wort und an jede Betonung. Weder von dem, was ich gesagt habe, noch an das, was ich gehört habe. Oder wie ist es erst mit der Erinnerung an die Natur, in der ich spazieren gegangen bin! Ich erinnere mich immer nur an winzige Ausschnitte.
Das, was man erinnert, ist im Verhältnis zu dem, was um einen herum passiert und ist, so wenig, dass es in dem Nichterinnerten eine unendliche Auswahl gibt. Je nachdem, wie tief man ins Detail gehen will. Ich kann mich an keinen der Namen erinnern, die ich in den letzten Tagen in der Zeitung gelesen habe. Ich kann mich nicht erinnern, wie viele Artikel ich gelesen habe.
Ist das Erinnern nicht das wirkliche Wunder und das Nichterinnern das ganz Natürliche. Was sind diese verschwindend geringen Dinge, an die man sich zwischen all dem Nichterinnern erinnert? Erinnerungen sind auserwählte Partikel der Vergangenheit. Erinnerte Bilder, Worte, Momente sind Trophäen des Lebens, des Seins.

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