Tatoos

Ich bin mir nicht sicher, warum man sich tätowieren lässt. Ich könnte mir vorstellen, dass Tätowierungen gut sind, um zu üben, seinem früheren Ich zu verzeihen. Aber wahrscheinlich ist die Intention das Gegenteil: man wünscht sich, die gegenwärtige Geisteshaltung für die Zukunft zu bewahren. Ich habe mir nie etwas bewahren können. Und so bin ich froh, dass ich mir als kleiner Junge keine Legomännchen tätowiert habe, als Jungjugendlicher keinen Popstar und als Spätjugendlicher keine psychedelischen Muster.

Aber vielleicht sind Blogeinträge so etwas, wie kleine Tätowirungen. Öffentliche, (und wenn mann sie nicht wegmacht) dauerhafte Bekenntnisse zur gegenwärtigen Geisteshaltung.

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P.S.: Als Achtzehnjähriger wartete ich auf die S-Bahn, um in ein Tatoo-Studio zu gehen und mich zu erkundigen. Da kam ein Mann und fragte mich, was ich vor habe und ich erzählte es ihm. Er zeigte mir seine Tätowierungen, die er sich gerade nach und nach teuer, schmerzhaft und nicht besonders ansehnlich entfernen lies. Irgendwann nerven einen diese Bilder, glaub mir. Lass es bleiben, sagte er und fragte, ob ich kiffen würden. Er gab mir etwas Hasch und empfahl mir erstmal einen Joint zu rauchen und nachzudenken. In die Bahn bin ich dann nicht gestiegen.

Wenn ich heute jemandem diese Geschichte erzähle, erscheint sie mir wie ein Märchen. Aber so war es. Und ich bin diesem netten Mann, der wie aus dem Nichts kam dankbar.

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