Hunger

Immer satt zu sein macht stumpf. Hungrig schmeckt das Essen besonders gut. Auch Essen, dass sonst nicht den höchsten Ansprüchen genügen würde, ist überaus befriedigend.

Hunger kann ein grosser Helfer sein. Enthaltsamkeit holt den Geist aus der Reserve. Hungrig ist man bereit, Neues auszuprobieren und das Andere zu schätzen. Und besonders würdigen wir Dinge oder Gerichte, die uns einst aus der Not geholfen haben.

So dient Urlaub der Arbeit. Das Fasten dem Essen. Das Schweigen dem Ausdruck und dem Miteinander. Das Luftanhalten der Sauerstoffversorgung und dem Hormon- und Säurehaushalt.

Und dass die Meditation einfache und verschobene Gedanken interessant, dringlich, fast unwiederstehlich macht, und uns selbst in den antriebslosesten Zeiten nach Handeln gieren lässt, kann jeder, der noch nie meditiert hat, in weniger als 5 Minuten des stillen Sitzens am eigenen Leib erfahren.

Schwimmen

Gelassen bleiben, und abwarten ist häufig eine gute Lösung. Nicht abwarten und sinken, sondern abwarten und schwimmen. Panisch schreien und strampel ist Energieverschwendung. Ruhig bleiben und eine Lösung suchen ist ein guter Weg. Schlechte Laune zu bekommen nützt nie. Sie soll Ernsthaftigkeit und Fokus bringen, aber die schlechte Laune raubt Energie und macht aus einer kniffligen Situation eine tatsächlich schlechte Situation.

Gelassen bleiben und schwimmen, anstatt schlecht gelaunt gestresst zu sein, ist erlernbar. Man kann einen Schritt zurücktreten und sich neu ausrichten. Vielleicht kann man beim ersten Mal nur einen Schritt zurück treten. Beim zweiten Mal schon 2%, (also fast unmerklich), entspannen. Irgendwann kann man sich überlegen, ob die schlechte Laune jetzt irgendetwas nützt, oder ob man einfach den nächsten logischen Schritt geht.

Input

Wir leben zwischen den Polen. Anstrengung und Ruhe, Input und Output, Aufregung und Kontemplation, Anspannung und Entspannung.

Nahrung, soziale Bindung, Information waren jahrtausendelang Mangelware. Für die meisten Lebewesen, die es in der Evolution bis heute geschafft haben, war es nicht einfach, genug zu bekommen, um zu überleben. Daher sind wir tendenziell nicht auf ein Weniger oder einen Ausgleich, sondern auf ein Mehr ausgelegt. 

Offensichtlich hat sich die Lage geändert. Die Lebensbedingungen für Körper, Geist und Umwelt unterliegen nun den Bedingungen des Überflusses. Plötzlich müssen wir ein aktives Innehalten provozieren, anstatt nach dem Mehr zu suchen.

Wir müssen unseren Input aktiv kuratieren: Sinnvolles von Junk trennen, uns aktiv darum kümmern, diesem Input eine Chance zu geben, sinken zu können und seine Wirkung zu entfalten.

Wahn

Überlastung ist der falsche Weg. Unsere Zeit, Kraft und Emotionale Energie verteilen wir sinnvoll Ausgewogen auf unsere Lebensbereiche – sehr grob unterteilt in Arbeit und alles Andere. Und in jedem Bereich sollte es eine gesunde Sättigung geben. Wenn sich Sportwahn, Putzwahn, Arbeitswahn, Gesundheitswahn, Verlangen nach täglichem Rausch oder ein anderes Fass ohne Boden öffnet, dann muss das zwar nicht das ganze Lebensbereiche-System zerstören. Aber der Wahn frisst die Ressourcen.

Wir brauchen ständig Ressourcen für all das Unvorhergesehene. Krankheiten, Freunde in Schwierigkeiten, ein Kollege ist ausgefallen.

Wer keine Ressourcen hat, hat flache Wurzeln. Er steht nicht fest. Er ist schnell vom Sattel geworfen. Deshalb ist es wichtig zu bemerken, ob wir einen Bereich haben, der unsere Ressourcen frisst. Das kann Zeit, Kraft oder Emotionale Energie sein, oder alle drei. In solch einem Bereich muss man sehen, wie er dort einen Punkt macht und die nötige Entspannung für Kraftreserven zurück in sein Leben bekommt.

Kurzurlaube

Orte beeinflussen uns stark. Um Unterstützung vom Unbewussten zu bekommen, sind bestimmt Orte sehr hilfreich. Zum Entspannen, Arbeiten, Schlafen, Unterhalten, Trainieren. Kurzurlaube an unbekannte Orte sind daher besonders befreiend, weil es erstmal keine Anknüpfungspunkte gibt zu den vielen kleinen und großen Baustellen auf denen sich unser eifriger Geist befindet.

Klang

Klang wirkt auf uns. Wahrscheinlich mehr als wir denken. Ruhe ist für unseren Geist eine besondere Wohltat. Das Schallwellengewirr, dem die Eremiten schon seit Jahrtausenden entkommen möchten, hat sich heute hundertfach potenziert.

Unseren vielen so subtilen, wie unberechenbaren Gefühlsregungen liegen minimale Einflüsse zugrunde. Natürlich auch direkte Wahrnehmungen von Sinn aus Wort und Darstellung. Aber winzige und offenbare Geruchs- und Geräuschwahrnehmungen spielen in dem feinstofflichen Gefühlspalast unserer Wahrnehmung eine große Rolle. Vieles, was sich schließlich zum benannten Gefühl zusammensetzt, entsteht aus vielen Einflüssen, die jenseits sind von gut und schlecht, von Gedanke und Wort.

In der menschlichen Evolution waren die meisten Klänge unserer modernen Welt nicht vorhanden. Fast alles, was wir hören ist evolutionär noch brandneu.

Wir fühlen uns wohl mit Rauschen von Wellen, Wind und Regen. Tierlaute haben für unsere Intuition Bedeutungen, die wir gedanklich kaum noch nachvollziehen können. Und der fröhliche Gesang von Vögeln schenkt unserem Gemüt einen Frieden, den Menschen seit den Anfängen ihrer Entwicklung verspüren.

Es ist gut für unser Gemüt, schöne und sanfte Klänge zu hören. Und es ist schön wenig zu hören. Moderne Ohrstöpsel sind ein große Hilfe. Und es gibt weit mehr Gelegenheiten als man gemeinhin denken mag, um mit ihnen das Leben zu bereichern.

ICE

Es lohnt sich, zu schauen, ob für ein Ziel alles getan ist und wir bereits auf dem besten Weg sind, anstatt Energie zu verschwenden und Prozesse beschleunigen zu wollen, die uns längst sicher ans Ziel bringen werden.

Wer sich in den ICE von A nach B setzt, braucht sich nicht mehr zu fragen, wie er schneller nach B kommt. Das Ziel ist ermittelt, die Fahrkarte bezahlt und man ist auf dem schnellsten Weg. Es hilft nicht, in den vordersten Wagon zu laufen. Wir kommen auch nicht schneller ans Ziel , wenn wir den Zugführer bitten, etwas schneller zu fahren.

Es gibt Ziele, die wir physisch noch nicht erreicht haben. Aber solange wir den Zug nicht vorzeitig verlassen, brauchen wir nichts mehr tun, um anzukommen.

Was ist schon erreicht? Was ist angeleiert? Wo können wir schon neue Ziele setzten und neue Pläne schmieden und (damit) in Gang setzten?